Mi., 15.11. | 12:30 | Filmladen | Screening: Meuthens's Party

Kooperation mit dem Kasseler Dokfest und dem PRESSECLUBKASSEL E.V.

MEUTHEN'S Party | Mi., 15.11. | 12:30 | Filmladen

Eine dunkle Nacht, irgendwo in Baden-Württemberg, es ist Landtagswahlkampf. Einige Männer heften Plakate an Laternen, möglichst so weit oben, dass niemand sie herunter reißen kann. „Rettung – Ein Fass ohne Boden“ steht auf einem und daneben ein Mann, der nicht ohne Stolz sagt, dass dieser Slogan auf seinem Mist gewachsen sei. Es bleibt dunkel, auch im Film. Wir begleiten den Anführer der Gruppe, Herrn Meuthen, zu seinen Wahlkampfveranstaltungen. In Hinterhofgaststätten, im Eiche-Rustikal-Design, wo brummend und nickend Männer, ab 40 aufwärts, den rhetorisch geschickt austarierten Worten von Prof. Dr. Meuthen lauschen. Die Parolen der AfD bleiben nicht ohne Widerstand. Im Film sehen wir, wie sich Jörg Meuthen erstaunlich geschickt durch alle Menschengruppen windet, die ihm begegnen. Mal tarnt er sich im Erscheinungsbild eines grünen Politikers, um sich vor den Demonstrant/innen nicht zu erkennen zu geben, mal tritt er vor eine Gruppe junger Menschen, die Plakate hochhalten, und lautstark gegen die AfD demonstrieren. Was macht Meuthen? Er erklärt der gesamten Gruppe, dass doch alle mehr miteinander reden sollten, um zu spüren, dass doch alle die gleichen Ziele haben. In ähnlicher Art und Weise verdreht er Inhalte in Radiointerviews oder vor laufender Kamera. Egal mit welchen Aussagen kritische Journalist/innen Meuthen konfrontieren, souverän dreht er den Spieß um und mokiert sich, dass diese Sätze alle falsch interpretiert worden seien und nie so gemeint waren.

 

Dem Filmhochschulstudenten Marc Eberhardt ist Meuthen offen begegnet, vielleicht unterschätzt der Portraitierte den „Studentenfilm“. Eberhardt ist klug genug gewesen, die Kamera laufen zu lassen und sich weiter auf das Beobachten zu konzentrieren, was dieser Mann so treibt. Herausgekommen ist ein Portrait eines Parteivertreters, der die leisen Töne beherrscht, so rechtsextremes Gedankengut in andere Kreise tragen kann und durch seinen Relativismus die Wahlkampfversprechen vernünftig erscheinen lässt.

Regie: Marc Eberhardt Deutschland 2017 / 93:00 Min. / deutsch / englische UT

 

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