Nichts für uns ohne uns! Die Kinderrechte feiern Geburtstag - Aber Partizipation kommt nicht von Party!

Beitrag aus der Reihe "Wir sind politisch." - von Philipp Meyer, Maike Seyfarth und Maria Grüning

Die Aktion

Am 20. November 1989 wurde das Übereinkommen über die Rechte des Kindes, kurz die Kinderrechtskonvention, von der UN-Generalversammlung angenommen, vor genau 25 Jahren. Um darauf aufmerksam zu machen, dass Kinder eigene, unveräußerliche Rechte haben, fand gestern eine Aktion des Vereins Die Kopiloten e.V. in Zusammenarbeit mit dem Kasseler Jugendring e.V. und dem Kinder- und Jugendbüro der Stadt Kassel statt.


Kopi, der Kinderrechte-Elefant, steht symbolisch für die Kinderrechte im Willi-Seidel-Haus, dem Haus der Jugend, in der Mühlengasse. Der große orangefarbene Pappmaché-Elefant ist beklebt mit Bildern von Kinderrechten und Wünschen, die Kindern besonders wichtig sind. Er trägt diese für alle sichtbar stellvertretend für alle Kinderrechte auf seinem Körper. Dabei geht es nicht nur um hübsche Bilder und einen großen Elefanten, “diese Aktion zielt in erster Linie darauf ab, dass Kinder sich frühzeitig mit ihren Rechten auseinandersetzen und auch ihre Eltern damit konfrontieren”, sagt Philipp Meyer, Vorsitzender des Vereins Die Kopiloten e.V.

Von 12 bis 16 Uhr nahmen 55 Kinder im Alter von 6 bis 10 Jahren an dem Aktionstag am 20.11.2014 teil, bei dem an vier Stationen Kinderrechte auf unterschiedliche Art und Weise thematisiert wurden. Neben dem spielerisch-interaktiven Kennenlernen der Kinderrechte wurde die Umsetzung des Rechtes auf Mitbestimmung am aktuellen Beispiel der “Neugestaltung der Königsstraße“ erfahrbar gemacht und das Recht auf Freizeit durch diverse Spielangebote ausgelebt. Zudem präsentierte sich das Kinder- und Jugendbüro als Anlaufstelle zum Thema Kinderrechte und Wünsche und Bedürfnisse der Kinder wurden diskutiert. 

Kinderrechte - Wer, wie, was?

Wir haben doch Menschenrechte und das Grundgesetz. Wozu also Kinderrechte? Sind Kinder keine Menschen? Und ob! Jedoch sind Kinder historisch als die Jüngsten und somit Schwächsten betrachtet worden und hatten oftmals keine Chance, ihre Interessen gegenüber Erwachsenen durchzusetzen. Kinderrechte sind nötig, da Kinder in Bezug auf Erwachsene zwar gleichwertig, aber nicht gleich sind. Was soll das bedeuten? Sie sind also nicht mit Erwachsenen vergleichbar, weil Erwachsene Verantwortung für Kinder haben, Kinder jedoch keinerlei Verantwortung für Erwachsene. Kinder sind keine kleinen Erwachsenen und benötigen eigene Rechte, die ganz genau auf ihr Leben, ihre Probleme und ihre Sichtweisen zugeschnitten sind, denn Kinder sollten als “Seiende”, nicht als “Werdende” betrachtet und ernst genommen werden.

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Survival of the richest? Nachts tanzen für ein Recht auf Stadt

Beitrag aus der Reihe "Wir sind politisch." - von Philipp Meyer und Maria Grüning

Unter dem Motto “Tanzen für ein Recht auf Stadt” findet am 10.10.2014 um 20 Uhr eine Nachttanzdemonstration in Kassel statt. Die Organisator_innen sind eine Gruppe aktiver Menschen, die sich gegen das Verschwinden von bezahlbaren Wohnräumen und offenen Freiräumen einsetzen und Möglichkeiten der Mitbestimmung bei der Gestaltung von Stadt fordern. Die Parole “Recht auf Stadt” ist unter anderem von der gleichnamigen Initiative in Hamburg als Grundlage für stadtpolitisches Engagement jenseits parteipolitischer Aktivität zu verstehen und dient der Kasseler Gruppe als Vorbild:

„Beim Recht auf Stadt geht es darum, dass jedeR – unabhängig vom Status, der Nationalität oder von dem, was er oder sie im Portemonnaie hat – ein Recht hat, da zu sein und mit zu entscheiden, wie (städtisches) Leben gestaltet wird. [...]“, so die Initiatoren des Recht-auf-Stadt-Kongresses Hamburg, 2011.

Die Nachttanzdemo ist ein Format, das schon in anderen Städten in diesem Zusammenhang umgesetzt wurde, “als Ausdruck von Subkultur holen wir uns den Freiraum zurück, der zunehmend ins Private verdrängt wird“, erklärt Lisa, eine der Organisator_innen.

Beginnend in der Joseph-Beuys-Straße am Hauptbahnhof bis zum Nordstadtpark soll mittels Tanz, Redebeiträgen und anderen Aktionen das Recht auf Stadt erkämpft werden. Dabei werden an verschiedenen Stationen Aufwertung, Verdrängung und Freiraumverlust thematisiert. 

Aufwertung - Schön und teuer?
Aufwertung klingt ja erst einmal super. Niemand wird leugnen wollen, dass es in Kassel einiges aufzuwerten gibt, zumal der schnelle Wiederaufbau der zerbombten Stadt in den 50er Jahren sichtbare Spuren hinterlassen hat. So ist es zunächst erfreulich, dass die Stadt in jüngster Vergangenheit mehrere Bauvorhaben umgesetzt hat, die große Aufmerksamkeit erfahren haben. Über die Neugestaltung der Goethestraße oder des Wesertors wurde in den lokalen Medien ausgiebig berichtet.

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