GEMEINSAM.POLITISCH.BILDEN

Unter diesem Motto sind wir als “Flugbegleiter_innen politischer Bildungsreisen” vor Ort, um insbesondere junge Menschen für den politischen Nahbereich zu sensibilisieren und bei der aktiven Auseinandersetzung mit diesem zu begleiten.

Die Beteiligung an Lösungen von Gemeinschaftsaufgaben erfordert Eigeninitiative, die es zu wecken gilt. Wir möchten Menschen ermutigen und befähigen, mitzubestimmen, sich einzubringen und aktiv zu gestalten. 

Die Projekte des Vereins sind vielfältig, haben verschiedene Schwerpunkte und unterschiedliche Zielgruppen. Doch sie haben auch viele Gemeinsamkeiten, die konzentriert auf zehn Punkte das Selbstverständnis des Vereins darstellen.

1. Wir sind nicht unparteiisch, sondern überparteilich.

Der Verein „Die Kopiloten e.V.“ arbeitet überparteilich - das heißt aber nicht, dass wir unparteiisch sind. Wir arbeiten inhaltlich unabhängig von Institution oder Partei. Dennoch sind wir nicht neutral - wir sind parteiisch in dem Sinn, dass wir uns aktiv in der kommunalen Öffentlichkeit für die Interessen junger Menschen einsetzen. Wir sehen uns in der Rolle von Unterstützer_innen für die Belange junger Menschen.

2. Wir treten aktiv für die Partizipation junger Menschen ein.

Mitbestimmung für alle! Junge Menschen sind, genau wie Erwachsene, wichtige Gesellschaftsmitglieder. Ihnen müssen deshalb in allen sie betreffenden Angelegenheiten Mitbestimmungsmöglichkeiten angeboten werden, in denen sie die Rolle von handelnden Subjekten einnehmen. Dabei muss bedacht werden, dass Kinder keine kleinen Erwachsenen sind, weil sich Kindheit gerade im Unterschied zum Erwachsensein definiert. Junge Menschen haben eigene Bedürfnisse und Interessen, für die kinder- und jugendgerechte Beteiligungsangebote nach der Forderung der Kinderrechtsbewegung „Nichts für uns ohne uns!" gemeinsam entwickelt werden müssen. Dass Kinder und Jugendliche ihre Rechte teilweise nicht in politische Entscheidungsprozesse einbringen können, weil ihnen Mitbestimmungsrechte vorenthalten werden, ist ein gesellschaftlicher Zustand, den es zu ändern gilt.

3. Wir stehen für ein progressives und emanzipatorisches Weltbild ein. Demokratie kann nur durch Mitgestaltung funktionieren!

Die Gesellschaft steht vor grundlegenden Zukunftsfragen, deren Beantwortung auch die Aufgabe kommender Generationen sein wird. Die Suche nach Antworten, Lösungsansätzen und alternativen Modellen hat in vielen Teilen der Gesellschaft bereits begonnen. Als Verein unterstützen wir junge Menschen darin, Lösungen zu entdecken und zu entwickeln, Forderungen und Ideen zu formulieren, diese einzubringen und Demokratie auf diese Weise aktiv mitzugestalten.

4. Wir beziehen klar Stellung gegen jede Form von diskriminierendem, demokratiefeindlichem und menschenrechtverachtendem Gedankengut und Verhalten.

5. Unser Ziel ist die Befähigung von jungen Menschen zur politischen Urteilsfähigkeit, zu reflektiertem Handeln und kritischem Einmischen in gesellschaftliche Debatten und Entscheidungsprozesse.

Wir möchten insbesondere junge Menschen als politische Akteure stärken und sie für demokratische Prinzipien wie zum Beispiel Selbstbestimmung, Emanzipation und Gewaltfreiheit sensibilisieren. Dabei geht es sowohl darum, eigene Rechte zu kennen und zu verstehen, als auch darum, diese aktiv einzufordern und weiterzudenken. Wir verstehen uns als Lernbegleiter_innen, als "Kopiloten" politischer Bildungsreisen junger Menschen.
Wir gehen davon aus, dass junge Menschen sehr wohl ein Interesse am Politischen haben und keineswegs politikverdrossen sind - vielmehr kann man von einer jugendverdrossenen Politik sprechen, die es nicht schafft, junge Menschen zur Mitbestimmung und zum politischen Streiten anzuregen. Den Konflikt sehen wir als wichtigen Bestandteil demokratischer Willensbildung.
Interesse für das Politische, für 'das, was alle angeht', bei jungen Menschen zu wecken, ist ein grundlegendes Ziel: Kompetent politische Entscheidungen aus der eigenen Perspektive, unter Einbeziehung klassischer Kategorien wie Macht, Interesse und Herrschaft zu analysieren, um anschließend entsprechende Konsequenzen für das eigene Handeln zu ziehen. Die Teilnehmenden unserer Bildungsangebote lernen mit uns gemeinsam, Position zu beziehen und sich so aktiv in gesellschaftspolitische Diskurse einzubringen.

Wir möchten zur Entwicklung mündiger und kritischer Menschen beitragen. Neben „Partizipation” ist auch „Nachhaltigkeit” ein Schwerpunkt unserer Bildungsarbeit. Denn beispielsweise die Reflexion des eigenen Konsumverhaltens, dessen Einordnung in ökonomische Gesellschaftsstrukturen und die Entwicklung von Handlungsoptionen daraus sind beispielhaft für globale Auswirkungen lokalen Handelns.

6. Wir setzen uns aktiv für eine kritische politische Bildung ein!

Bestehende Verhältnisse und Systeme müssen kritisch hinterfragt und weiterentwickelt werden. Die kritische Untersuchung von Macht- und Herrschaftsstrukturen ist gemäß unseres gesellschaftspolitischen Bildungsansatzes immer Gegenstand der Auseinandersetzung, sowohl innerhalb des politischen Systems als auch in Alltagssituationen des Miteinanders.
Die Befähigung junger Menschen, als kritische Subjekte gesellschaftliche Konflikte in ihrer Komplexität zu erkennen und bewerten zu können, ihr Eingebundensein in diese Verhältnisse zu verstehen und aktiv zu werden, ist ein herausforderndes Ziel. Gesellschaftliche Verhältnisse als von Menschen gemacht zu begreifen und als politisch veränderbar wahrzunehmen, kann zur Entwicklung von Handlungsmöglichkeiten führen, diese Verhältnisse zu verändern und zu verbessern.

7. Politische Bildung ist überall möglich. Wir verstehen uns als Bindeglied zwischen den Lernprozessen, die in Schule, Stadt und Universität stattfinden.

Schule
Das, was schulische Bildung leisten kann, reicht auch da, wo Schule dies engagiert und intensiv versucht, oft nicht aus, um Schüler_innen Gelegenheiten für die politische Mitbestimmung öffentlicher Angelegenheiten zu bieten und umfassende Kritikfähigkeit das politische System betreffend zu entwickeln. Kooperationsprojekte mit außerschulischen, non-formalen Bildungsträgern können diese Lücke füllen und als Experimentierfeld für partizipative politische Bildung dienen.
Dabei ist beispielsweise die Subjektorientierung außerschulischer politischer Kinder- Jugendbildung hervorzuheben. Diese beinhaltet die Offenheit bezüglich der konkreten Inhalte, der Gestaltung und des Verlaufs der gemeinsamen Arbeit, auf methodischer und thematischer Ebene und ermöglicht Lernarrangements, die auf Erfahrungen und Vorstellungen aller Betroffenen zurückgreift. Somit werden Lernende aus ihrer passiven Rezipient_innen-Rolle geholt und als gleichberechtigte Mitbestimmer_innen im Lern- und Arbeitsprozess auf Augenhöhe respektiert und einbezogen.

Stadt
Stadt gehört allen, Stadt sind wir alle! Deswegen ist es wichtig, Menschen zur Mitgestaltung und zum Einfordern ihres Rechtes darauf anzuregen.
Eine Sensibilisierung für den politischen Nahbereich kann erfolgreich sein, wenn handlungsorientiert vermittelt wird, dass das Politische schon direkt vor der eigenen Haustür beginnt. Auswirkungen politischer Entscheidungen, die das alltägliche Leben betreffen, können unter der Bezugnahme klassischer Kategorien politischer Bildung, wie beispielsweise Macht, Herrschaft und Interesse, dekonstruiert und für eigene Handlungen zugänglich werden. An die unmittelbare Lebenswelt anknüpfend, können Erfahrungen mit politischer Mitbestimmung und -gestaltung so direkt erlebbar werden. Zudem muss lokales Handeln in globalen Zusammenhängen gedacht werden, denn nur so kann Verantwortung für die Auswirkung des eigenen Handelns auf weltweite Verflechtungen übernommen werden.

Jugendarbeit, Jugendsozialarbeit, Anregungen zu gesellschaftlicher Mitverantwortung und politische Bildung sind nach SGB VIII eine gesetzliche Pflichtaufgabe der kommunalen Kinder- und Jugendhilfe. Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, müssen ausreichend öffentliche Gelder - auch für freie Träger - zur Verfügung gestellt werden, denn politische Bildung ist nicht umsonst, aber auch nicht kostenlos. Die Rolle von freiwillig aktiven Menschen kann nur eine ergänzende sein.

Universität
Universitäre Lehre funktioniert unserer Ansicht nach am besten projektorientiert und auf Augenhöhe. Auch hier gilt es, im Rahmen von Subjektorientierung die Interessen der Studierenden in den Lern- und Arbeitsprozess einzubinden. So kann Lernen und Lehren sinnvoll verknüpft mit Praxis- und Gesellschaftsrelevanz in einem gemeinsamen, selbstorganisierten Lehr- und Lernraum stattfinden. Universität verstehen wir zudem als demokratischen Lehr- und Lernraum, den sich Studierende selbst aneignen können und müssen. Dafür werden politische Mitbestimmungsrechte in allen Gremien der Universität benötigt, sowie finanzielle und zeitliche Ressourcen, um diese Rechte wahrzunehmen. Aber auch politische Initiativen auf dem Campus, die unabhängig von Gremien und Parlamenten die Universität als politischen Raum erschließen und demokratische Kultur leben, gilt es zu fördern.
In enger Kooperation mit dem Fachgebiet “Didaktik der politischen Bildung” der Universität Kassel realisieren wir bereits seit 2008 Projektseminare, überwiegend für angehende Lehrer_innen. Hierbei werden theoretische Inhalte für junge Menschen aufbereitet und praktisch angewandt. Dabei ist das Lernen kein Selbstzweck, sondern geschieht immer vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Praxisrelevanz.

8. Wir arbeiten mit innovativen Lehr- und Lernmethoden, die wir zum Teil selbst entwickeln.

In unseren politischen Bildungsprojekten im außerschulischen Bereich verwenden wir sowohl etablierte als auch selbst entwickelte Lehr-Lern-Konzepte, die unserem gesellschaftspolitischen Bildungsansatz standhalten. Bei allen Projekten soll der Lernprozess, nicht das Projektergebnis, im Vordergrund stehen. Einige Beispiele aus unserer Arbeit illustrieren dies:
Im Rahmen des Projektes „Konsumkritischer Stadtrundgang Kassel” werden die Auswirkungen der Globalisierung praxisnah und vor Ort in der kasseler Innenstadt reflektiert. Mit interaktiven Methoden werden über Themen wie beispielsweise „Kaffee”, „Baumwolle”, „Wasser” oder „Handys” die Zusammenhänge zwischen lokalem Konsum und weltweiten Verflechtungen aufgezeigt. (Mehr Informationen: http://www.konsumkritik-kassel.de)
Das Medienprojekt „KasselAssel Kinderreporter_innen” soll jungen Menschen die Möglichkeit geben, Informationen über das für sie interessante politische Geschehen im Nahbereich für Gleichaltrige aufzubereiten. In der Auseinandersetzung mit Kommunalpolitik, Journalismus und praktischer Medienarbeit werden junge Menschen zu kritischen Rezipient_innen und Produzent_innen von kommunalpolitischer Berichterstattung ausgebildet (hier meist im Rahmen von kurzen, audiovisuellen Magazinbeiträgen). (Mehr Informationen: http://www.kasselassel.de)
Intergenerationelles Lernen steht im Fokus des Projektes „Kassel ist schön”. Jüngere und ältere Menschen aus Kassel bilden „Generationenpaare”, zeigen sich gegenseitig ihre Lieblingsorte in Kassel und tauschen die damit verbundenen Geschichten aus. So lernen Menschen verschiedener Generationen voneinander, übereinander und miteinander. Als Ergebnis entstehen hier kurze Foto-Video-Porträts, die eine persönliche Sicht auf einen Lieblingsort in Kassel bieten. Diese werden auf einer interaktiven Karte verlinkt und ermöglichen so einen Einblick für alle Interessierten. (Mehr Informationen: http://www.kasselistschoen.de)

9. Wir sind Projektler_innen!

Der Verein initiiert und unterstützt Projekte innerhalb der Bezugsräume Universität, Schule und Stadt und bietet diesen zugleich eine öffentliche Plattform. Projekte werden dabei als Lern- und Handlungsformen selbstgesteuerten und eigenverantwortlichen Arbeitens verstanden, die im Rahmen universitärer und schulischer Ausbildung oft zu kurz kommen. Dabei bietet gerade Projektarbeit das bedeutsame sozialisatorische Moment, sich von gekannten Konventionen und gesellschaftlichen Zwängen zu lösen und selbstwirksam tätig zu werden. In unseren Projekten besteht nicht nur die Möglichkeit, bildungspolitisches Engagement unmittelbar gemeinschaftlich zu praktizieren, zugleich kann Theorie und Wissenschaft in der Projektarbeit kritisch reflektiert und weiterentwickelt werden. Projektarbeit soll nach unserer Auffassung politische Arbeit, gesellschaftsveränderte Praxis und (vor-)berufliche Qualifizierung zugleich sein.
In den Lernprozessen, die wir mit unseren Projekten anstoßen, geht es nicht nur um eine Veränderung der Realitätswahrnehmung und des Alltagsbewusstseins der Teilnehmer_innen, sondern vielmehr auch um eine stetige Veränderung der gesellschaftlichen Wirklichkeit. Praxisbezug in unseren Projekten wird nicht als didaktisches Mittel verstanden, Studierende für ihr Studium zu motivieren oder Schüler_innen Sachkenntnis zu vermitteln. Vielmehr stellt Praxis ein gesellschaftspolitisches Tätigkeitsfeld dar, das seinen Ausgang von Theorie und Reflexion nimmt und deshalb nachhaltig wirken kann.

10. Unsere Vereinsstruktur ist basisdemokratisch und in Untergruppen organisiert.

Die Selbstorganisation im Verein beruht auf basisdemokratischen Prinzipien, wir arbeiten unhierarchisch und kollaborativ. Indem wir Konflikte demokratisch austragen, erlernen und erfahren wir Demokratie auf praktische Art und Weise. Innerhalb des Vereins und in der Projektpraxis ist uns die Gemeinschaft Gleichberechtigter wichtig, so dass Erfahrungen mit elementaren demokratischen Prozessen gemacht und reflektiert werden können (gemeinsames Verhandeln, Kooperieren, Planen, Abstimmen, Entscheiden, etc.). Wir sind eine lernende Organisation und fördern partizipativ, transparent und selbstorganisiert ein aktives, praxisorientiertes Lernen aller Beteiligten.
Durch die Gründung des Vereines aus den Projektgruppen „KasselAssel-Kinderreporter_innen” und „Konsumkritischer Stadtrundgang Kassel” ergibt sich unser Arbeitsverständnis: die Projektgruppen agieren weitestgehend selbständig und sind auch finanziell autonom, können jedoch auf die Strukturen und Ressourcen des Vereins zurückgreifen. Alle Projektgruppen sind dabei unter dem Selbstverständnis dieses Leitbildes vereint und entscheiden - den Verein betreffend - gemeinsam.

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